ImmobilienlexikonBewertung

Lagebeurteilung

Die Lagebeurteilung bewertet Makrolage und Mikrolage einer Immobilie. Sie ist der wichtigste Einzelfaktor für Wert, Vermietbarkeit und Verkaufsdauer.

Die Lagebeurteilung untersucht, wie gut der Standort einer Immobilie ist, und trennt dabei zwei Ebenen: die Makrolage, also Region, Stadt und Stadtteil, und die Mikrolage, also die Straße und das unmittelbare Umfeld. Sie ist der einzige Wertfaktor, den Sie nie verändern können, denn Bad, Heizung und Fassade lassen sich erneuern, die Adresse nicht. Deshalb wiegt die Lage in jeder Bewertung schwerer als Ausstattung oder Zustand. Wer sie sauber beurteilt, versteht auch, warum zwei baugleiche Häuser wenige Straßen voneinander entfernt unterschiedlich viel wert sind.

Makrolage: das große Umfeld

Die Makrolage beschreibt die Region und die Stadt. Beurteilt werden die Wirtschaftskraft, der Arbeitsmarkt und die Zahl der Arbeitsplätze im Umkreis, die Verkehrsanbindung über Autobahn und Schiene, die Versorgung mit Schulen, Kitas, Ärzten und Kliniken, die Bevölkerungsentwicklung sowie das Image und die Perspektive des Ortes. Wichtig ist der Blick nach vorne: geplante Gewerbeansiedlungen, neue Baugebiete, Sanierungen von Ortskernen oder der Ausbau von Bahn und Straße wirken sich Jahre später im Preis aus. Eine schwache Makrolage lässt sich durch eine gute Mikrolage abmildern, aber nicht aufheben.

Mikrolage: die direkte Nachbarschaft

Die Mikrolage ist das, was Sie beim Blick aus dem Fenster und beim Gang um den Block sehen. Dazu gehören Verkehrslärm, Fluglärm und Gewerbegeräusche, die Nachbarbebauung, Grünflächen und Spielplätze, Einkaufsmöglichkeiten in fußläufiger Entfernung, die nächste Haltestelle, die Parksituation, die Ausrichtung des Gebäudes zur Sonne sowie der Pflegezustand der umliegenden Häuser. Auch weiche Merkmale zählen, etwa ob eine Straße als Durchgangsstraße genutzt wird oder ob abends noch Leben im Viertel ist. Genau hier entscheidet sich oft, ob eine Wohnung in vier Wochen oder in vier Monaten verkauft ist.

Was ist wichtiger, Makrolage oder Mikrolage?

Die Makrolage entscheidet über die langfristige Wertentwicklung, die Mikrolage über den Preis heute und über die Verkaufsdauer. In einer Region mit wachsender Bevölkerung und stabilem Arbeitsmarkt bleibt auch eine mittelmäßige Straße handelbar. Schrumpft dagegen eine ganze Region, hilft die schönste Nachbarschaft nur begrenzt, weil schlicht die Nachfrage fehlt. Für Kapitalanleger folgt daraus eine klare Reihenfolge: zuerst die Region prüfen, dann den Stadtteil, dann die Straße, dann das Objekt.

Wie lässt sich eine Lage nachprüfbar beurteilen?

Über amtliche Daten statt über das Bauchgefühl. Die Bodenrichtwerte der Gutachterausschüsse zeigen für die einzelnen Lagen, was der Boden dort wert ist, und die Grundstücksmarktberichte beschreiben, wie sich Umsätze und Preise in den einzelnen Teilmärkten entwickelt haben. Dazu kommen frei zugängliche Quellen wie Lärmkarten, Bebauungspläne der Kommune, Fahrpläne des Nahverkehrs und die Ausweisung neuer Baugebiete. Ergänzen Sie das durch eigene Anschauung: Fahren Sie zur Straße, einmal werktags morgens, einmal abends und einmal am Wochenende. Was in den Daten nicht steht, sehen und hören Sie dort in zehn Minuten.

Was das für Sie im Rheinland bedeutet

Leverkusen liegt zwischen Köln, dem Rhein und dem Bergischen Land, und die Lagen unterscheiden sich innerhalb des Stadtgebiets erheblich, von den rheinnahen Ortslagen über die gewachsenen Zentren bis zu den ruhigen Rändern Richtung Osten. Die Zuständigkeit für Grundbuch- und Katasterfragen zeigt, wie eng dieser Raum verzahnt ist: Das Amtsgericht Leverkusen mit Sitz in der Gerichtsstraße 9 in 51379 Leverkusen ist auch für Leichlingen und Burscheid zuständig und gehört zum Landgerichtsbezirk Köln, für das Kölner Stadtgebiet ist das Amtsgericht Köln zuständig. Die Bodenrichtwerte für beide Städte ermitteln der Gutachterausschuss für Grundstückswerte in der Stadt Leverkusen und der Gutachterausschuss für Grundstückswerte in der Stadt Köln; abrufbar sind sie kostenfrei über www.boris.nrw.de. Innerhalb Leverkusens richtet sich die Zuständigkeit im Grundbuchamt nach den Gemarkungen, also nach den Ortsteilen, in denen das betroffene Grundstück liegt. Für die Lagebeurteilung lohnt derselbe kleinräumige Blick, denn die Bodenrichtwerte werden nicht für die ganze Stadt, sondern für einzelne Lagen ausgewiesen, und zwischen zwei benachbarten Lagen kann ein spürbarer Abstand liegen.

Tipps

  • Prüfen Sie die Makrolage zuerst, eine schwache Region bleibt langfristig ein Problem.
  • Schauen Sie sich die Straße zu mindestens drei verschiedenen Tageszeiten an, Lärm und Parksituation ändern sich stündlich.
  • Holen Sie den Bebauungsplan für die Nachbargrundstücke ein, damit die freie Sicht nicht in zwei Jahren zugebaut ist.
  • Vergleichen Sie den Bodenrichtwert Ihrer Lage mit dem der Nachbarlage, der Unterschied erklärt oft den ganzen Preisabstand.
  • Lassen Sie sich von einer guten Adresse nicht blenden, entscheidend ist das Verhältnis von Preis zu Lagequalität.
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